Italien 2004: Teil 4 Neapel (Nationalmuseum) und Umgebung


1. Nationalmuseum Neapel, Sovatara, Vesuv


neapel Burg neapel Nationalmuseum

Festung am Hafen und Nationalmuseum.
Besuche in und um Neapel - übrigens auch eine Gründung der Griechen - boten sich an den drei regnerischen Tagen an. Neapel würde viele lohnende Ziele bieten, wir pickten uns nur das Nationmuseum, den Vesuv, den Vulkan Sovatara, Herculaneum (Ercolano), Pompeji (Pompei) und die Amalfi - Küste heraus. Albert zog es vor, von Paestum nach Neapel mit dem Zug zu fahren. Ich wollte noch auf den Vesuv und in die Fregreischen Felder (Krater des Vulkans Sovatara), deshalb stürzte ich mich mit dem Bike ins Gewimmel. Die Burg am Hafen lag auf dem Weg zu den Fregreischen Feldern (Campi Fregrei hinter Pozzuoli).



neapel Altstadt neapel Nationalmuseum

Altstadt und im Nationalmuseum.
Westlich des Bahnhofes liegt die Altstadt. Der Mittelstand zog aus der engen Altstadt in die Vororte. Die Altstadt verslumt, besonders in den Nebengassen. Das Nationalmuseum stammt noch aus der Zeit des Königreiches Neapel. Man wollte mit dem Bau sicher auch den Staat sichern, indem man damit versuchte, so etwas wie ein neapolitanisches Nationalbewußtsein zu fördern. Aber bald nach der Erbauung war es dann mit diesem Staat vorbei und er wurde italienische Provinz. Aber immerhin konnte so die Zentralisierung der Fundstücke in Rom verhindert werden und die Stücke werden näher an den Fundorten ausgestellt. Nachdem die Stücke in Neapel waren, konnte sich keine Regierung erlauben, sie nach Rom zu verlegen.



neapel Museum

Fundstücke aus Pompei und Ercolano.
Prunkstücke dieses Museum sind natürlich Funde aus Pompei und Ercolano. Aus der ersten Zeit der Grabungen stammen schöne Stücke, die aber recht rabiat gewonnen wurden (Zerstörungen durch Tunnels und hektische Grabungen).

neapel Museum


neapel Museum neapel Museum

Modell des ausgegrabenen Teils von Pompei und römische Statue aus anderer Fundstätte. Auch Funde aus vielen anderen Stätten finden sich in dem Museum.



neapel Museum neapel Museum

Fußbodenmosakien aus Pompei



neapel Museum

Das berühmteste Mosaik ist das 1831 gefundene Wandmosaik "Alexanderschlacht" aus dem Haus mit dem Faun (Casa del Fauno) in Pompeji. Es besteht aus 3 Mio. Steinchen und beruht auf auf einem griechichen Vor-Bild. Es wurde durch einstürzende Balken beschädigt. Es stellt den Kampf Alexanders des Großen mit dem Perserkönig Darius in der Schlacht von Gaugamela -331 v.Chr. (oder Issus -333 v.Chr.) dar. Wahrscheinlich hat ein altes griechisches Gemälde des Philoxenos von Eretria (spätes 4. Jh. v.Chr.) als Vorbild gedient. Mosaiken wurden auf gemalte Vorlagen gemörtelt. Später habe ich das Haus in Pompeji gesehen. Leider hat man das Haus in Pompeji stark geschädigt und auch nicht versucht, das irgendwie dort zu rekonstruieren. Im Museum, Wand an Wand mit der Alexanderschlacht, liegt das "Geheimkabinett".



neapel Museum neapel Museum

Fresken. Der interessanteste Teil des Museums war natürlich "das Geheimkabinett". Die Königsfamilie war recht bigott und ließ erotische Kunst einschließen. Figuren wurden kastriert und/oder mit Feigenblättern dekoriert. Als Garibaldi Neapel erobert hatte, ließ er die abgeschlagenen Teile wieder anfügen, bzw. die Feigenlätter entfernen.

Der Teil ist deswegen so interessant, weil Sex anscheinend bei den Römern viel mehr zur Alltags-Normalität gehörte als man sich das so vorstellen kann. An einem "Schnellrestaurant" (Thermopolium) in Pompei stand draußen: "Hier unten gibt es gutes Essen und im 1. Stock gibt es guten Sex". Es war die Taverna "Zum erigierten Penis" (Wirtshausschild aus Ton). Auf der Tontafel mit dem erigiertem Penis an der Außenwand stand: "HIC HABITAT FELICITAS" -hier wohnt das Glück. Das Fresko "Priapus wiegt seinen Penis" stammt aus der Villa von Vettius in Pompeji. Auf der anderen Seite der Waage ist ein Sack Goldmünzen. Die Waage ist im Gleichgewicht. Priapos, Sohn des Dionysos und der Aphrodite war in der griechischen Mythologie ein Gott der Fruchtbarkeit, Männlichkeit und Beschützer von Gärten und Feldern. Man opferte ihm die ersten Erträge von Feld und Garten. Priapos Statuen waren sehr populär und es standen viele Statuen rum. Angeblich sollte es ein Brauch gewesen sein, das frisch verheiratete Frauen sich auf den Penis einer Priapus-Statue setzen und dem Gott ihre Jungfernschaft opfern.



neapel Museum neapel Museum

Auch die Hauseingänge waren mit Glücksbringern verziert. Das Bild an der Tür rechts zeigt übrigens, wie unter dem Schutz (Lorbeerkranz) der Siegesgöttin Victoria ein Esel einen Löwen bespringt - ein Symbol dafür, dass Geduld und Beharrlichkeit die Stärke besiegen können. Das war ein Motiv an einem Ladenlokal.



neapel Museum neapel Museum

Ein Zeichen für eine völlig andere Gesellschaftsmoral waren auch die beliebten Krims-Krams-Produkte, wie Türglöckchen mit Penisdarstellungen. Die Sklaven mußten Ihren Herren willig sein und dieser konnte sie auch vermieten. Daran wurde nichts Schlimmes gesehen. Es gibt darüber juristische Schriften. Ein Sklave kostete so um die 5000 Sesterzen. Ein 500g-Brot 1/4 Sesterze. Recht gruseling und gar nicht "zivilisiert", auch wenn man das widerliche Treiben in den Amphittheatern bedenkt.



2. Der Vulkankrater Sovatara bei Pozzuoli und auf dem Vesuv


Sovatara Sovatara

Nach so viel heißer Kunst ging es vor die Stadtgrenze nach Pozzuoli. Heiß bis zum heutigen Tag sind hier die Vulkandämpfe der Sovatara. Im Krater ist übrigens ein Campingplatz, vermutlich der heißeste (geologisch betrachtet) der Welt. Man erreicht den Krater durch den Torbogens eines Hauses in dem die Verwaltung des Campingplatzes ist und ein kleines Museum. Eintritt 5 Euro! Der Vulkan ist eine GmbH (Volcano Solvatara SA), jedenfalls laut Titel der Eintrittskarte. Es stink manchmal etwas nach Schwefelwasserstoff von den Dampfquellen nebenan. In einem Tümpel köchelt der Schlamm.



Sovatara Sovatara

Da der Dampf nun mal so günstig aus der Erde kommt, baute man eine Sauna über eine Quelle. Leider ist sie heute nicht mehr in Betrieb. Die Aufgüsse waren schwer zu steuern und es roch immer etwas streng. Blick in den Krater - leider blau verfärbt da manchmal mein Camcorder spinnt.



Vesuv Vesuv

Zum Schluss des Tages noch auf den Vesuv. Man kann von Ercolano dem Lavastrom folgend fast bis zum Gipfel hochfahren. Der letzte Ausbruch war 1944, daran erinnert noch eine abgebrannte Kirche. Aber die Leute hat das nicht gestört, sie bauen auf den Lavastrom neue Häuser. Die ganze Besiedlung des Vulkans bis in die Hochlagen ist schon etwas kurios. Wo Touristen sind, werden Restaurants gebaut. Wo schöne Ausblicke sind, Häuser und Villen. Die Nationalparkverwaltung zwingt anscheinend einige Bauherren zum Abzug, denn es gibt auf der Zufahrtsstraße auch leere Häuser. Der Ausblick ist schön - wäre es gewesen, wenn es nicht so stark geregnet hätte. Leichte Tuff-Kügelchen rollten im Regenwasser über den Parkplatz und ich rollte prompt mit dem Stiefel darauf aus und legte die Maschine hin. Danach habe ich auf den Gipfelmarsch in der Regenkombi verzichtet. Etliche Kratzer im Lack, dafür war der doofe Tuff hart genug.



Vesuv aus der Luft

Bis zum Parkplatz am Rand des neuen Kraters (ganz links im Bild) habe ich es geschafft. Der neue Krater bildete sich während kleinerer Ausbrüche nach dem dem großen Ausbruch im Jahr 79. Der Kraterrand, so wie er 79 n.Chr. entstand, ist am oberen Bildrand noch zu sehen. Der neue Krater ist sozusagen ein kleinerer Krater in dem alten, großen Krater und hat den alten Krater teilweise aufgefüllt.



3. Die Halbinsel Sorrentina (Sorrento, Positano, Amalfi)


Amalfitana_Kloster Amalfitana_Kloster

Kloster in den Bergen über Salerno:
Nach drei Tagen besserte sich das Wetter wieder. Wir erwogen schon den Umzug in eine Hotel, aber schließlich wurden die Klamotten, das Zelt und die Schlafsäcke doch wieder trocken. Als gemeinsame Tagestour wollten wir mal die Halbinsel Sorrent umfahren. Uns war natürlich klar, dass es sehr viele Touristen geben würde - auch in der Nachsaison- aber der Verkehr auf der schmalen Straße über dem Golf von Sorent war dann doch machmal sehr stockend. Ich kann mir die Straße im Sommer nur als Chaos vorstellen. LKW und Wohnmobile sind auf der Strecke nicht erlaubt, trotzdem verursachen die Busse und Klein-LKW einen Stau nach dem anderen. Die Strecke ist landschaftlich sehr schön, und mit dem Bike kann man die Aussichtspunkte noch am ehesten anfahren. Unser erstes Ziel nach Salerno war ein Kloster in der Bergen über dem Meer, die Abbadia della Trinita di Cava. Es sollte und hat auch eine tolle Ausschmückung komplett mit Marmormosaiken. Von Außen eher etwas unscheinbar. Die Kirche wurdee barockisiert, aber aus der alten Kirche wurden die schönsten romanischen Stücke, z.B. die Kanzel mit Löwen am Fuß der Säulen, mit in den neuen Raum integriert.



Amalfitana_Kloster Amalfitana_Kloster

Überall auf Hochglanz polierter, verschiedenfarbiger Marmor.



Amalfitana Amalfitana

Von der Nordküste der Halbinsel hat man einen schönen Blick auf Neapel und den Vesuv. Leider war der Weg auf den Monte Faito gesperrt, aber auch von der Küstenstraße aus über Vico und Sorrento hat man schöne Ausblicke.



Amalfitana Amalfitana

Die Fortsetzung der Halbinsel ist die Insel Capri. Schon auf der Südseite der Halbinsel liegt das schöne Marina del Cantone



Amalfitana Amalfitana















In Marina del Cantone gibt es - wie so oft in Italien - einen Strand in Privatbesitz. Es wird Eintritt verlangt. Die Straße auf der Südseite wird über Positano, Amalfi bis Maiori immer enger, steiler und hektischer.



Amalfitana Amalfitana

Über Positano.



Amalfitana Amalfitana

Über Amalfi. Leider keine Zeit den Dom zu besuchen. Ein nächstes Mal.



4. Der Süden vom Paestum


Süden süden

Blick von Agripoli auf unser Paestum am Golf von Salerno. Santa Maria del Castellabate - wenige Kilometer weiter wird es immer ruhiger.



Süden süden

Santa maria del Castellabate - Schatten auf dem Grund unter dem Boot. Überall Olivenbäume. Es war Erntezeit. Die Netze waren schon gespannt um die Oliven aufzufangen.



Süden süden

Palinuro war der südlichste Punkt dieser Tour. Blick von Palinuro auf das Capo Grosso. Das wäre doch ein Platz zum Zelten für das nächste Mal. Fast schon in der Basilikata.



süden

Weniger schön ist, dass immer noch die Wälder abgebrannt werden. Vermutlich um Weideflächen zu haben. In den Naturparken wachsen wieder Wälder heran. Wir sind an so einem angeseckten Stück Hang vorbeigefahren. Die Leute liefen vor dem Feuer rum, unten stand ein Polizeifahrzeug. Überall waren Brände in den Hängen zu sehen, wir zählten mal über 10 Brandplätze von einem Aussichtspunkt aus.



ENDE Teil 4,
Link zu Teil 5: Toskana, Larderello und Massa Marttima